Berlin, 02.11.2019 - In ihren jährlichen Berichten informiert der Verfassungsschutz über verfassungsfeindliche Bestrebungen. Auf Verfassungsschutzberichte.de werden die Berichte erstmals gesammelt, analysiert und durchsuchbar gemacht. Die Webseite ist ein zivilgesellschaftliches Archiv, das den Zugang zu den Dokumenten erleichtert. Es dient als Recherchewerkzeug für Journalist:innen, Wissenschaftler:innen und interessierte Bürger:innen.

Verfassungsschutzberichte.de

Die 16 Landesämter und das Bundesamt für Verfassungsschutz veröffentlichen jährlich Verfassungsschutzberichte – mittlerweile auch online. Alte Berichte sind jedoch nur analog in den Bibliotheken vorhanden, da z. T. Berichte schon nach wenigen Jahren depubliziert (also aus dem Internet gelöscht) werden. So halten der Verfassungsschutz Hessen und das Bundesamt für Verfassungsschutz nur Berichte seit 2014 vor. Wir haben 320 Berichte aus unterschiedlichen Quellen zusammengetragen und wir rufen dazu auf, uns fehlende Berichte zu schicken. Das Ziel des Projekts ist die vollständige Archivierung aller Verfassungsschutzberichte.

Die Berichte können auf der Webseite entweder direkt angesehen oder als PDF heruntergeladen werden. Aus alten, analogen Berichten, die nur als Scan vorliegen, wird mittels Machine Learning der Text erkannt (OCR). So werden die Texte zugänglich und Nutzer:innen können die Berichte nach Schlagwörtern durchsuchen. Außerdem können Erwähnungen in Berichten im zeitlichen Verlauf verglichen werden, um sogenannte “Verfassungsschutz Trends” zu visualisieren. Dazu werden die Häufigkeiten von Wörtern in Relation zu der Gesamthäufigkeit pro Jahr gesetzt. Zur Weiterverwendung können alle Berichte gebündelt heruntergeladen werden und es steht eine Programmierschnittstelle (API) bereit.

Johannes Filter, ehrenamtlicher Software-Entwickler der Webseite:

Der einfache und digitale Zugang zu den Verfassungsschutzberichten muss möglich sein. Wenn dies der Verfassungsschutz nicht selbst schafft oder sogar unterbindet, übernimmt die Zivilgesellschaft die zeitgemäße Archivierung. Damit wird sichergestellt, dass die Arbeit des Geheimdienstes wissenschaftlich untersucht und journalistisch aufgearbeitet werden kann.

Das Projekt ist im Rahmen von Code for Germany entstanden. Code for Germany fördert Entwicklungen im Bereich Transparenz, Open Data und Civic Tech in Deutschland und setzt Impulse damit die Möglichkeiten der offenen und freien Digitalisierung so vielen Menschen wie möglich zugutekommen.

Code for Germany organisiert sich in lokalen Gruppen, den Open Knowledge Labs, und ist in 26 deutschen Städten aktiv. Dort treffen sich Designer:innen, Entwickler:innen, Journalist:innen und anderen, um an nützlichen Anwendungen rundum offene Daten und Transparenz zu arbeiten. Sie entwickeln Apps, die informieren, die Gesellschaft positiv gestalten und die Arbeit von Verwaltungen und Behörden transparenter machen. Sie vermitteln insbesondere zwischen Zivilgesellschaft, Verwaltung und Politik und nutzen ihre Fähigkeiten um die Kommunikation zwischen diesen zu verbessern.

Zur Webseite: https://verfassungsschutzberichte.de oder https://vsberichte.de

Presseanfragen bitte an Johannes Filter, info@vsberichte.de, Telefonnummer auf Anfrage.